· 

Nachhaltiges Webdesign: die Onlinewelt nach Greta Thunberg

Was hat eine schwedische Schülerin mit Webdesign zu tun? Wie kann Webdesign sich an nachhaltigen Standards orientieren? Und ergibt das überhaupt Sinn, ein umweltfreundliches Webdesign haben zu wollen? Ein Artikel darüber, wie die Umweltbewegung auch das World Wide Web beeinflusst.

In den vergangenen Monaten wurde viel über Umwelt und Nachhaltigkeit diskutiert. In Deutschland wurde auf die Schnelle ein Klimapaket verabschiedet. In der Öffentlichkeit ist die Klimadebatte fast ein Dauerthema. Persönlich finde ich, dass das eine gute Entwicklung ist. Probleme, die teilweise schon seit Jahrzehnten vorhanden sind, werden endlich in Politik, Öffentlichkeit und Medien diskutiert und ernst genommen. 

 

Das Register der Klimasünden in unserer Gesellschaft sind gross. Fossile Brennstoffe müssen durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Statt Dieselfahrzeuge sollten wir in Elektromobilität investieren. Flugreisen, Silvesterböller, Plastiktüten, Plastikstrohhalme… Das Potential ist gross, um etwas zu ändern und damit das Klima zu entlasten. Doch – was hat das Klima mit dem Internet zu tun? 

Jede Website hat einen ökologischen Fussabdruck

Auch das World Wide Web verbraucht eine Menge Energie und ist insofern natürlich nicht klimaneutral. Clouddaten, Websites und die zahlreichen anderen Onlineservices generieren Traffic in Rechenzentren und auf Servern. Jede Anfrage bei Google kostet Energie. Insofern müssen auch online nachhaltige Lösungen gefunden werden.

 

Das Internet, wenn man dies so pauschal sagen kann, verbraucht locker so viel CO2 wie ein ganzes Land. Die Menge entspricht ungefähr dem globalen Flugverkehr. Klar: je mehr Bits hin- und hergeschoben werden, desto höher ist auch der Energieverbrauch und damit der CO2-Ausstoss von Webdiensten. Übrigens mit steigender Tendenz: denn die Anzahl der Rechenzentren steigt, und damit auch der Energieverbrauch.

  

Genauso, wie ich mich bewusst gegen eine Flugreise entscheiden kann, lassen sich auch Onlineaktivitäten begrenzen und hinterfragen. Auch als Anbieterin oder Anbieter eines Onlinedienstes – wie einer Website – kann ich konkrete Massnahmen ergreifen, um meinen Webservice «grüner» zu machen.

Sustainable Hosting

Eine Möglichkeit ist es, sich ein möglichst nachhaltiges Hosting zu suchen bzw. seinen Strom über Ökostromanbieter zu beziehen. In der Schweiz gibt es rund 50 Anbieter, die sogenannten Ökostrom anbieten. 

 

In der Schweiz gibt es bereits einige Hostinganbieter, die auf grüne bzw. nachhaltige Energieerzeugung setzen. Damit bilden sie eine ideale Grundlage für nachhaltiges Webdesign. Der Basler Anbieter cyon beispielsweise betreibt seine Server in der Schweiz und setzt auf regionale Wasserkraft. 

Eine nachhaltige Website ist schlank

Wie sich eine nachhaltige Website möglichst gut umsetzen lässt, kann man in wenigen Wort formulieren: je weniger Daten sie verbracht, desto besser. Ein schlanker und minimalistischer Webauftritt ist also umweltfreundlicher, weil so weniger Daten hin- und hergeschickt werden müssen. 

 

Konkret könnt ihr euch beim Designkonzept einer Website also fragen, welche Elemente es tatsächlich braucht. Das ist dann nicht nur nachhaltig, sondern auch nutzerfreundlich. Die Site lädt schneller, die User finden schneller das, wonach sie gesucht haben. Wenn man es ganz genau nehmen möchte, dann verbraucht man schon dann weniger Daten bei der Übertragung der Websiteinformationen, wenn wichtige Infos, die häufig von den Nutzerinnen und Nutzern aufgerufen werden, am besten auf der Startseite platziert werden. Mit wenigen Klicks zum Ziel kommen? Klingt nach guter Usability, und verbraucht im Endeffekt auch weniger Energie.

 

Viel herausholen lässt sich, wenn die Datenmenge auf einer Website insgesamt minimiert wird. Welche Animationen sind eher eine Spielerei – und welche erhöht die Nutzerfreundlichkeit meiner Webpräsenz wirklich? Welche Seiten brauche ich überhaupt auf meiner Website – und was ist unnötiger Ballast, der so gut wie nie aufgerufen wird? 

 

Viel herausholen lässt sich mit Elementen, die viele Daten verbrauchen. Das sind auf Websites in erster Linie Bilder und Videos. Nicht jede Website benötigt tatsächlich riesige Bilder in superscharfer Auflösung. Neben den Möglichkeiten, die Bildgrösse technisch möglichst klein zu halten, sollte auch die Existenz jedes Bildes auf einer Website in Frage gestellt werden.

Wie grün kann eine Website wirklich sein?

Angesichts von riesigen Rechenzentren, die über die Welt verteilt sind, ist die Reduzierung von etwas Speicherplatz auf der eigenen Website ein Tropfen auf dem heissen Stein. Und ungefähr so sinnvoll, wie die eigene Tragetasche in den Supermarkt mitzunehmen, statt dort einen Plastiksack zu kaufen. Allerdings: wenn viele Menschen sich Gedanken darüber machen und ihren Gedanken sogar Taten folgen lassen, kann das World Wide Web vielleicht tatsächlich ein bisschen grüner werden. Die Wahl von Hosting und Stromanbieter spielt in diesem Zusammenhang entsprechend auch eine Rolle.

 

Es ist gut, wenn wir uns bewusst machen, dass digitale Technologien nicht umsonst sind. Auch sie kosten Strom, der irgendwo erzeugt werden muss. Allerdings ist die digitale Welt dennoch insgesamt ressourcenschonender als ihre «analoge» Alternative: ein Tag im Home Office ist vermutlich umweltfreundlicher als eine Stunde Arbeitsweg mit dem Auto. Ein Dokument auf dem Bildschirm anzuschauen, ist besser, als dieses auf Papier auszudrucken. 

 

Ich finde es positiv, wenn auch in der Digitalbranche ein grösseres Bewusstsein dafür geschaffen wird, dass auch Internet & Co. Energie verbrauchen und damit nicht automatisch umweltfreundlich sind. Nachhaltiges Webdesign ist eine sinnvolle Sache, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und insofern ein guter Anfang.

Und weiter geht's:

Die Digitalisierung der Lebenswelt

Fast in allen Lebensbereichen hat sich die Digitalisierung hineingedrängt. Eine Nische nach der anderen erobert. Allerdings: wo sind die Grenzen des digitalen Eroberungszuges?

Deshalb kann Nachhaltigkeit nerven

Nachhaltigkeit ist «irgendwie wichtig» und viele Unternehmen versuchen jeweils auf ihre eigene Art, sich damit auseinanderzusetzen. Was können denn Unternehmen machen, um «nachhaltig» zu sein – und was ist das überhaupt?